Carl Schmitt

Alles Gute zum Geburtstag wünsche ich unserem Carl Schmitt und packe die Gelegenheit beim Schopfe dessen Schrift über „Theorie des Partisanen“ in Erinnerung zu rufen. Schließlich ist da nicht jeder ein Naturtalent wie unser Andreas Hofer. Die Wichtigkeit des Volkskrieges lasse ich nun noch ein wenig den Clausewitz erklären:

„Ein wesentlicher Teil derselben, nämlich die moralischen Elemente, erhalten sogar erst durch diese Art des Gebrauches ihr Dasein. Wir fragen also nicht mehr: was kostet der Widerstand, den ein ganzes Volk mit den Waffen in der Hand leistet, diesem Volke? Sondern wir fragen: welchen Einfluß kann dieser Widerstand haben, welches sind seine Bedingungen und wie ist der Gebrauch desselben? Daß ein so verteilter Widerstand nicht zu der in Zeit und Raum konzentrierten Wirkung großer Schläge geeignet ist, geht aus der Natur der Sache hervor. Seine Wirkung richtet sich, wie in der physischen Natur der Verdampfungsprozeß, nach der Oberfläche. Je größer diese ist und der Kontakt, in welchem sie mit dem feindlichen Heere sich befindet, also je mehr dieses sich ausbreitet, um so größer ist die Wirkung der Volksbewaffnung. Sie zerstört wie eine still fortschwelende Glut die Grundfesten des feindlichen Heeres. Da sie zu ihren Erfolgen Zeit braucht, so entsteht, während beide Elemente so aufeinander wirken, ein Zustand der Spannung, die sich entweder nach und nach löst, wenn der Volkskrieg an einzelnen Stellen erstickt wird und an anderen langsam erlischt, oder die zu einer Krise führt, wenn die Flammen dieses allgemeinen Brandes über das feindliche Heer zusammenschlagen und es nötigen, das Land vor eigenem gänzlichen Untergange zu räumen. Daß diese Krisis durch den bloßen Volkskrieg herbeigeführt werden sollte, setzt entweder eine solche Oberfläche des eingenommenen Reiches voraus, wie außer Rußland kein europäischer Staat sie hat, oder ein Mißverhältnis zwischen der einfallenden Armee und der Oberfläche des Landes, wie es in der Wirklichkeit nicht vorkommt. Will man also kein Phantom verfolgen, so muß man sich den Volkskrieg in Verbindung mit dem Kriege eines stehenden Heeres denken und beide durch einen das Ganze umfassenden Plan geeinigt. Die Bedingungen, unter welchen allein der Volkskrieg wirksam werden kann, sind folgende: I. daß der Krieg im Innern des Landes geführt, II. daß er nicht durch eine einzige Katastrophe entschieden werde; III. daß das Kriegstheater eine beträchtliche Länderstrecke einnehme; IV. daß der Volkscharakter die Maßregel unterstütze; V. daß das Land sehr durchschnitten und unzugänglich sei, entweder durch Gebirge oder durch Wälder und Sümpfe oder durch die Natur der Bodenkultur. Ob die Bevölkerung groß oder klein ist, tut nichts Entscheidendes, denn an Menschen fehlt es dabei am wenigsten. Ob die Einwohner arm oder reich sind, ist auch nicht geradezu entscheidend oder sollte es wenigstens nicht sein, es ist aber nicht zu verkennen, daß eine arme, an anstrengende Arbeit und Entbehrungen gewöhnte Menschenklasse sich auch kriegerischer und kräftiger zu zeigen pflegt. Eine Landeseigentümlichkeit, welche die Wirkung des Volkskrieges ungemein begünstigt, ist der zerstreute Anbau der Wohnungen, wie er sich in vielen Provinzen Deutschlands findet. Das Land wird dadurch zerschnittener und verdeckter, die Wege werden schlechter, obgleich zahlreicher, die Unterbringung der Truppen hat unendliche Schwierigkeiten, und vor allem es wiederholt sich im kleinen die Eigentümlichkeit, welche der Volkskrieg im großen hat, nämlich daß das widerstehende Prinzip überall und nirgends vorhanden ist. Wohnen die Einwohner in Dörfern beisammen, so werden die unruhigsten mit Truppen belegt oder auch wohl zur Strafe ausgeplündert, abgebrannt usw., welches sich aber bei einer westfälischen Bauernschaft nicht wohl ausführen läßt.“

Ein paar Worte zu unserem großen Rechtsgelehrten: Dessen Fachgebiet war das Staats- und Völkerrecht. In Plettenberg wurde er 1888 geboren, studierte das Recht in Berlin, München und Straßburg, wurde 1910 Doktor, promovierte 1916 und erhielt 1921 in Greifswald seinen ersten Lehrstuhl. Es sollten weitere an den Universitäten von Bonn, Berlin und Köln folgen. 1933 wurde er zum preußischen Staatsrat ernannt. Seine Schriften tragen die Namen „Politische Romantik“, „Die Diktatur“, „Politische Theologie“, „Die geistesgeschichtliche Lage des heutigen Parlamentarismus“, „Römischer Katholizismus und politische Form“, „Der Begriff des Politischen“, „Verfassungslehre“, „Der Hüter der Verfassung“, „Legalität und Legitimität“, „Staat, Bewegung, Volk“, „Über die drei Arten des rechtswissenschaftlichen Denkens“, „Völkerrechtliche Großraumordnung und Interventionsverbot für raumfremde Mächte“, „Land und Meer. Eine weltgeschichtliche Betrachtung“, „Der Nomos der Erde im Völkerrecht des Jus Publicum Europaeum“, „Hamlet oder Hekuba“, „Theorie des Partisanen“ und „Politische Theologie II. Die Legende von der Erledigung jeder Politischen Theologie“ und sollten gelesen werden, wenn man sich für das Staats- und Völkerrecht interessiert. Carl Schmitts „Theorie des Partisanen“ ist übrigens auch im Netz zu finden und um das lesefaule Volk ein wenig zu begeistern, lasse ich unseren Meister selbst daraus ein wenig zu Wort kommen: http://www.bard.edu/library/arendt/pdfs/Schmitt-Partisanen.pdf

Die Ausgangslage für unsere Überlegungen zum Problem des Partisanen ist der Guerilla-Krieg, den das spanische Volk in den Jahren 1808 bis 1813 gegen das Heer eines fremden Eroberers geführt hat. In diesem Kriege stieß zum ersten Male Volk – vorbürgerliches, vorindustrielles, vorkonventionelles Volk – mit einer modernen, aus den Erfahrungen der französischen Revolution hervorgegangenen, gut organisierten, regulären Armee zusammen. Dadurch öffneten sich neue Räume des Krieges, entwickelten sich neue Begriffe der Kriegführung und entstand eine neue Lehre von Krieg und Politik. Der Partisan kämpft irregulär. Aber der Unterschied von regulärem und irregulärem Kampf hängt von der Präzision des Regulären ab und findet erst in modernen Organisationsformen, die aus den Kriegen der französischen Revolution entstehen, seinen konkreten Gegensatz und damit auch seinen Begriff. Zu allen Zeiten der Menschheit und ihrer vielen Kriege und Kämpfe hat es Kriegs- und Kampfregeln gegeben, und infolgedessen auch Übertretung und Mißachtung der Regeln. Insbesondere haben sich in allen Zeiten der Auflösung, z. B. während des 30jährigen Krieges auf deutschem Boden (1618-48), ferner in allen Bürgerkriegen und allen Kolonialkriegen der Weltgeschichte immer wieder Erscheinungen gezeigt, die man partisanisch nennen kann. Nur ist dabei zu beachten, daß, für eine Theorie des Partisanen im ganzen, die Kraft und Bedeutung seiner Irregularität von der Kraft und Bedeutung des von ihm in Frage gestellten Regulären bestimmt wird. Eben dieses Reguläre des Staates wie der Armee erhält sowohl im französischen Staat wie in der französischen Armee durch Napoleon eine neue, exakte Bestimmtheit. Die zahllosen Indianerkriege der weißen Eroberer gegen die amerikanischen Rothäute vom 17. bis zum 19. Jahrhundert, aber auch die Methoden der Riflemen im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg gegen die reguläre englische Armee (1774-83) und der Bürgerkrieg in der Vendee zwischen Chouans und Jakobinern (1793-96) gehören sämtlich noch in das vor-napoleonische Stadium. Die neue Kriegskunst der regulären Armeen Napoleons war aus der neuen, revolutionären Kampfesweise entstanden. Einen preußischen Offizier von damals kam der ganze Feldzug Napoleons gegen Preußen 1806 nur wie eine „Parteigängerei im Großen“ vor. Der Partisan des spanischen Guerilla-Krieges von 1808 war der erste, der es wagte, irregulär gegen die ersten modernen regulären Armeen zu kämpfen. Napoleon hatte im Herbst 1808 die reguläre spanische Armee geschlagen; der eigentliche spanische Guerillakrieg begann er nach dieser Niederlage der regulären Armee. Es gibt noch keine vollständige, dokumentierte Geschichte des spanischen Partisanenkrieges. Sie ist, wie Fernando Solano Costa (in seinem in der Anmerkung zitieren Aufsatz Los Guerrilleros sagt, notwendig, aber auch sehr schwierig, weil der gesamte spanische Guerilla-Krieg sich aus annähernd 200 regionalen Kämpfen, deren Namen von vielen Mythen und Legenden umwoben ist, unter ihnen Juan Martin Diez, der als der Empecinado ein Schrecken der Franzosen wurde und die Straße von Madrid nach Saragossa unsicher machte. Dieser Partisanenkrieg wurde auf beiden Seiten mit schauerlichster Grausamkeit geführt, und es ist kein Wunder, daß mehr zeitgeschichtliches Material von den gebildeten, Bücher und Memoiren schreibenden Afrancesados, den Franzosenfreunden, als von den Guerrilleros gedruckt worden ist. Wie nun aber auch immer Mythos und Legende auf der einen, dokumentierte Historie auf der anderen Seite sich hier verhalten mögen, die Linien unserer Ausgangslage sind jedenfalls klar. Nach Clausewitz stand oft die Hälfte der gesamten französischen Streitmacht in Spanien und war die Hälfte davon, nämlich 250-260,000 Mann, durch Guerrilleros gebunden, deren Zahl von Gomez der Arteche auf 50,000, von anderen weit niedriger geschätzt wird…“

Die Schlacht bei Oudenaarde

Unser Prinz Eugen hätte sich wohl oftmals gerne geteilt. Denn sobald er den Türken im Osten aufs Haupt geschlagen hatte, griffen die Gallier im Westen erneut an und umgekehrt (was uns verdächtig an den Doppelangriff der Amerikaner und Engländer auf unser deutsches Afrikakorps im Sechsjährigen Krieg erinnert). Und so eilte unser Prinz Eugen im Jahre 1708 mit seinem Heer nach Flandern, wo die Not groß war. Die Gallier hatten Brügge und Gent eingenommen und wollten sich nun auch Oudenardes bemächtigen. Hier trafen sie aber auf unseren Prinzen Eugen und seine 70,000 Recken. Die Gallier waren zwar mit 80,000 Mann deutlich überlegen, wurden aber nichtsdestoweniger von unserem Prinz Eugen geschlagen. Bei Oudenarde erbeutete er 25 Geschütze und 78 Feldzeichen und fügte den Galliern einen Verlust von mindestens 10,000 Mann zu. Unsere Verluste beliefen sich auf 1000 Gefallene und 2500 Verwundete. Damit wendete sich das Blatt in Flandern grundlegend und unser Prinz Eugen konnte zum Gegenangriff übergehen. Diesen richtete er gegen die wichtige gallische Festung Lille, die er belagerte und einnahm. Nachdem sich die Stadt Lille selbst ergeben hat, macht sich unser Prinz Eugen sofort an den Sturm auf die Zitadelle derselbigen und zeigt sich dabei einmal mehr als edler Ritter: https://archive.org/details/prinzeugenvonsa00arnegoog
„Um seinem Werke die Krone aufzusetzen, blieb Eugen noch übrig, sich der Zitadelle von Lille gleichfalls zu bemächtigen. Dieselbe bildete ein regelmäßiges Fünfeck und befand sich am nordwestlichen Ende der Stadt. Die der letzteren zugekehrte Seite war offenbar die günstigste zum Angriff. Eugen schritt unverzüglich an denselben. Er verhehlte sich nicht, daß er gewissermaßen eine ganz neue Belagerung zu beginnen habe. Die Schwierigkeit und Mühseligkeit dieser Aufgabe hatten aber auf ihn nur die Wirkung, sich dieselbe umsomehr angelegen sein zu lassen. Schon am 11. September bemächtigten sich die Verbündeten eines Teiles der Verteidigungswerke. Auch bei diesem Kampfe setzte sich Eugen, seiner Gewohnheit nach, der äußersten Gefahr aus. Sein Stellmeister von Andlaw wurde an seiner Seite erschossen. Um dieselbe Zeit legte Eugen einen neuen Beweis der menschlichen Gesinnung, die ihn beseelte, und der Bereitwilligkeit an den Tag, mit welcher er die Tapferkeit und das Unglück auch am Feinde ehrte. Er gestattete, den schwer verwundeten Generalleutnant Marquis von Surville aus der Zitadelle nach Douay zu bringen, um wenn es noch möglich wäre, ihn dort heilen zu lassen. Diese Handlung, so wenig außerordentliches auch an ihr war, machte doch auf die Franzosen einen gewaltigen Eindruck. Denn sie überzeugte sie von der Irrigkeit ihrer bisherigen Meinung, daß Eugen mit blinder Feindseligkeit Alles verfolge, was Frankreich angehöre oder demselben diene. In einem Augenblicke, in dem man sich dort ernstlich mit Friedensgedanken beschäftigte, schien die Entdeckung, welche man von Eugens versöhnlicher Stimmung gemacht zu haben glaubte, von doppeltem Werte; durch einen eigens abgesendeten Offizier soll König Ludwig dem Prinzen seinen Dank ausgedrückt haben für das Benehmen, welches er gegen den Marquis von Surville beobachtet hatte. Während die Belagerung der Zitadelle von Lille langsam, aber trotz der Tapferkeit der Besatzung unwiderstehlich vorwärts ging, bereiteten die Feinde von anderer Seite Unternehmungen vor, welche, wenn sie gelungen wären, den Verbündeten unbrechenbaren Nachteil zugefügt hätten. Der Herzog von Vendome beabsichtigte den Prinzen Eugen in den Linien von Lille zu überfallen, der Kurfürst von Bayern aber wollte durch Wegnahme von Brüssel den Alliierten den härtesten Schlag versetzen, welcher sie in den Niederlanden hätte treffen können…“

König Friedrich der Erste von Preußen

Den Geburtstag des Begründers der preußischen Königswürde feiern wir heute. Friedrich der Erste von Preußen erblickte nämlich 1657 in Königsberg das Licht der Welt. Er folgte dem Großen Kurfürsten, seinem Vater, 1688 nach und regierte bis 1713. Seit 1701 als König von Preußen. Neben dieser Rangerhöhung des kurfürstlichen Hauses stand seine Regierungszeit unter dem Schatten des Spanischen Erbfolgekrieges und der anderen Abwehrkämpfe gegen die Gallier am Rhein, den Türkenkriegen und dem Großen Nordischen Krieg. In letzterem blieb Friedrich der Erste neutral, gegen die Gallier und Türken aber unterstützte er unsere deutschen Kaiser nach Kräften. Seine Heere führte meist Leopold von Anhalt, der berühmte alte Dessauer. In den Schlachten von Slankamen, Höchstädt, Turin, Oudenarde und Malplaquet fochten unsere preußischen Truppen mit Auszeichnung. Das preußische Heer brachte Friedrich der Erste von 30,000 auf stolze 50,000 Mann. Die innere Mißwirtschaft wirft allerdings keinen kleinen Schatten auf diesen äußeren Glanz. Denn unter Friedrich dem Ersten herrschten in unserem alten Preußen Prunksucht, Schuldenmacherei, Korruption und Günstlingswirtschaft. Da der Bricht Friedrichs des Großen über seinen Großvater nun zu Ende ist, machen wir doch ein wenig bei seinem Vater, dem Soldatenkönig weiter, der sich umgehend daran macht, die Mißstände der Regierung Friedrichs des Ersten abzustellen: http://friedrich.uni-trier.de/de/volz/1/uc_p1

Friedrich Wilhelm wurde zu Berlin am 15. August 1688 geboren. Er war, wie wir bereits sagten, der Sohn König Friedrichs I. von Preußen und Sophie Charlottens, einer Prinzessin von Hannover. Seine Regierung begann unter den günstigen Auspizien des Friedens. Dieser wurde zwischen Frankreich, Spanien, England, Holland und der Mehrzahl der deutschen Fürsten in Utrecht geschlossen. Friedrich Wilhelm erlangte von Ludwig XIV. die Anerkennung seines Königtums, der Souveränität über das Fürstentum Neuchâtel und die Bürgschaft für die Gebiete von Geldern und Kessel als Entschädigung für das Fürstentum Orange, auf das er für sich und seine Nachkommen verzichtete. Frankreich und Spanien gestanden ihm gleichzeitig den Titel Majestät zu, den sie den Königen von Dänemark und Sardinien noch lange versagten. Nach der Wiederherstellung des Friedens wandte sich die ganze Aufmerksamkeit des Königs auf die innere Verwaltung. Er arbeitete an der Wiederherstellung der Ordnung in Finanzwirtschaft, Verwaltung, Rechtspflege und Heerwesen; denn diese Gebiete waren unter der vorangegangenen Regierung gleichermaßen verwahrlost. Er besaß eine arbeitsame Seele in einem kraftvollen Körper. Es hat nie einen Mann gegeben, der für die Behandlung von Einzelheiten so begabt gewesen wäre. Wenn er sich mit den kleinsten Dingen abgab, so tat er das in der Überzeugung, daß ihre Vielheit die großen zuwege bringt. Alles, was er tat, geschah im Hinblick auf das Gesamtbild seiner Politik; er strebte nach höchster Vervollkommnung der Teile, um das Ganze zu vervollkommnen. Er strich alle unnützen Ausgaben und verstopfte die Kanäle, durch die sein Vater die Mittel des öffentlichen Wohlstands abgelenkt hatte, um sie in eitlem und überflüssigem Aufwand zu verschwenden. Der Hof spürte die Reform zuerst. Der König behielt nur eine Anzahl von Personen, die für die Wahrung der Würde notwendig oder dem Staat nützlich waren. Von den hundert Kammerherren seines Vaters behielt er nur zwölf; die übrigen wurden Offiziere oder Diplomaten. Er beschränkte seine eigenen Ausgaben auf eine mäßige Summe, indem er sagte, ein Fürst müsse mit dem Gut und Blut seiner Untertanen sparsam umgehen. In dieser Hinsicht war er ein Philosoph auf dem Thron, wiewohl er nichts gemein hatte mit jenen Gelehrten, deren unfruchtbare Wissenschaft auf der Spekulation über abstrakte Gegenstände beruht, die sich unserer Erkenntnis offenbar entziehen. Er gab das Beispiel einer Sittenstrenge und Einfachheit, die der ersten Zeiten der römischen Republik würdig waren. Dem Prunk und den imposanten Äußerlichkeiten des Königtums war er feind. In seiner stoischen Tugend gönnte er sich nicht einmal die Nächstliegenden Annehmlichkeiten des Lebens. Seine einfachen Sitten, seine große Genügsamkeit bildeten einen vollkommenen Gegensatz zu dem Hochmut und der Verschwendung Friedrichs I. Ein politisches Ziel schwebte Friedrich Wilhelm bei seiner Reorganisation des Innern vor: er wollte sich durch, ein mächtiges Heer bei seinen Nachbarn in Respekt setzen. Georg Wilhelms Beispiel hatte ihn gelehrt, wie gefährlich es ist, sich nicht verteidigen zu können. Und das Beispiel Friedrichs I., dessen Truppen weniger ihm selbst als den sie bezahlenden Bundesgenossen gehörten, hatte ihn erkennen lassen, daß ein Herrscher nur in dem Maße geachtet wird, als er sich mächtig und furchtgebietend zu machen weiß. Er war der Demütigungen satt, die bald die Schweden, bald die Russen seinem Vater zugefügt hatten, indem sie ungestraft seine Staaten durchquerten. Er wollte sein Volk wirksam gegen die Unruhe seiner Nachbarn beschützen und sich zugleich in den Stand setzen, seine Anrechte auf die Erbfolge in Berg zu vertreten, die beim Tod des Kurfürsten von der Pfalz, des letzten Fürsten aus dem Hause Neuburg, frei werden mußte. Man ist zwar allgemein in dem Vorurteil befangen, der Plan einer militärischen Regierung sei nicht vom König selbst ausgegangen, sondern ihm durch den Fürsten von Anhalt eingegeben worden, aber wir folgen dieser Meinung nicht, weil sie irrig ist. Ein so überlegener Geist wie der Friedrich Wilhelms durchdrang und erfaßte die größten Fragen. Besser als irgend einer von seinen Ministern oder Generalen kannte er die Interessen des Staates. Wenn die größten Ideen durch einen Zufall hervorgerufen werden können, so ließe sich sagen, daß englische Offiziere Friedrich Wilhelm den Anstoß für die Pläne gaben, die er in der Folge ausführte. In seiner Jugend, als er die Feldzüge in Flandern mitmachte, fand er einmal, während der Belagerung von Tournai, zwei englische Generale in lebhaftem Wortgefecht. Der eine behauptete, der König von Preußen würde ohne Subsidien Mühe haben, 15,000 Mann zu besolden; der andere behauptete, der König könne 20,000 unterhalten. Der junge Prinz geriet in Feuer und sagte ihnen: „Der König, mein Vater, unterhält 30,000, sobald er will.“ Die Engländer nahmen die Antwort für einen Augenblickseinfall eines ehrgeizigen jungen Mannes, der die Vorzüge seines Vaterlandes übertrieben herausstreicht. Friedrich Wilhelm aber bewies nach seiner Thronbesteigung, daß er nicht zuviel gesagt hatte. Seine gute Finanzwirtschaft ermöglichte es ihm, vom ersten Jahr seiner Regierung an sogar 50,000 Mann zu halten, ohne daß irgend eine Macht ihm Subsidien bezahlte…“

Kaiser Ferdinand der Zweite

Heute ging im Jahre 1941 die Kesselschlacht von Bialystok zu Ende. In dieser haben wir Deutschen 46 russische Divisionen bei Bialystok eingekesselt und zum Großteil aufgerieben und dabei rund 325,000 Gefangene gemacht und ungefähr 1800 Geschütze und 3300 Panzer erbeutet oder zerstört. Und damit natürlich einen großen und denkwürdigen Sieg erfochten. Einen Sieg den wir daher auch feiern sollten. Erfochten hat diesen gewaltigen Schlachtensieg unser Feldmarschall Fedor von Bock. Freilich tat er das nicht allein, sondern mit Hilfe von unseren Generalobersten Heinz Guderian und Hermann Hoth, die mit ihren Panzergruppen II und III die feindlichen Truppen eingekesselt haben. Unser Guderian hat uns in „Erinnerungen eines Soldaten“ einen Schlachtbericht gegeben und ich beginne darin mit der Eröffnung unseres kleines Zuvorkommenschlages. Dieser traf die Russen vollkommen überraschend, da diese – ebenso wie die Engländer in Nordafrika – nicht mit einem Angriff unsererseits gerechnet haben zu scheinen, sondern glaubten in aller Ruhe zum Angriff mit ihren überlegenen Truppenmassen aufmarschieren zu können: https://archive.org/details/heinz-guderian-erinnerungen-eines-soldaten-1960

„Die nun folgenden Ereignisse habe ich zum Teil unter genauen Zeitangaben über meine Tätigkeit geschildert, um zu zeigen, welchen seelischen und körperlichen Beanspruchungen der Befehlshaber einer Panzergruppe im Feldzuge gegen Rußland genügen mußte. Nach der Ansprache Hitlers an die Generale vom 14. flog ich am 15. Juni 1941 von Berlin nach Warschau, wo mein Stab untergebracht war. Die Tage bis zum Angriffsbeginn am 22. Juni vergingen mit Besichtigungen der Truppen und Ausgangsstellungen und mit Besuchen der Nachbarn, um das Zusammenwirken sicherzustellen. Der Aufmarsch und die Bereitstellung zum Angriff vollzogen sich reibungslos. Am 17. Juni erkundete ich den Flußlauf des Bug, der unsere vordere Linie bildete. Am 19. besuchte ich das rechts neben meiner Panzergruppe angesetzte III. Armeekorps unter General von Mackensen. Am 20. und 21. Juni überzeugte ich mich in den vorderen Linien der Korps von der Beendigung der Vorbereitungen. Durch eingehende Beobachtung der Russen erhielt ich die Überzeugung, daß sie nichts von unseren Absichten wußten. Auf dem Hof der Zitadelle von Brest, in den wir Einblick hatten, übten sie nach den Klängen einer Musik Parademarsch in Zügen. Die Uferbefestigungen längs des Bug waren unbesetzt. Die Arbeiten an den Befestigungen hatten in den letzten Wochen kaum wahrnehmbare Fortschritte gemacht. Die Aussichten auf das Gelingen der Überraschung waren also groß, und es entstand die Frage, ob unter diesen Umständen eine Artillerievorbereitung von einer Stunde, wie wir sie vorgesehen hatten, überhaupt notwendig sei. Lediglich aus Vorsicht, um nicht im Augenblick des Flußübergangs durch unerwartete Maßnahmen der Russen vermeidbare Verluste hinnehmen zu müssen, beließ ich es bei der befohlenen Feuervorbereitung. Am schicksalsschweren 22. Juni 1941 begab ich mich um 2.10 Uhr morgens auf den Gruppengefechtsstand beim Beobachtungsturm südlich Bohukaly, 15 Kilometer nordwestlich Brest-Litowsk. Es war noch dunkel, als ich um 3.10 Uhr dort eintraf. Um 3.15 Uhr begann unser Artilleriefeuer. Um 3.40 Uhr erfolgte der erste Stukaangriff. Um 4.15 Uhr fing das Übersetzen der vordersten Teile über den Bug bei der XVII. und XVIII. Panzerdivision an. Um 4.45 Uhr durchfurteten die ersten Panzer der XVIII. Panzerdivision den Fluß. Sie benutzten dabei die für das Unternehmen „Seelöwe“ erprobte Ausrüstung, die ihnen das Durchwaten von Gewässern bis zu vier Meter Tiefe erlaubte. Um 6.50 Uhr ließ ich mich bei Kolodno mittels eines Sturmbootes über den Bug setzen. Meine Befehlsstaffel, bestehend aus zwei gepanzerten Funkstellen, einigen Geländewagen und Krafträdern, folgte bis 8.30 Uhr. Anfänglich den Panzerspuren der XVIII. Panzerdivision folgend, fuhr ich an die Lesna-Brücke vor, deren Besitz für das Vorwärtskommen des XXXXVII. Panzerkorps wichtig war, traf dort aber außer einer russischen Postierung niemand an. Die Russen suchten bei meiner Annäherung das Weite. Zwei meiner Ordonanzoffiziere ließen sich entgegen meiner Weisung zur Verfolgung hinreißen; sie sind leider beide hierbei gefallen. Um 10.25 Uhr erreichte die vorderste Panzerkompanie die Lesna und überschritt die Brücke. Ihr folgte der Divisionskommandeur, General Nehring. Ich begleitete nun den weiteren Vormarsch der XVIII. Panzer-Division bis zum Nachmittag und begab mich um 16.30 Uhr zur Brückenstelle nach Kolodno und von dort um 18.30 Uhr auf meinen Gefechtsstand. Die Überraschung des Gegners war auf der ganzen Front der Panzergruppe gelungen. Südlich Brest-Litowsk fielen die Brücken über den Bug dem XXIV. Panzerkorps unversehrt in die Hand. Nordwestlich der Festung war der Brückenschlag an den vorgesehenen Stellen im Gange. Der Gegner hatte sich aber von seiner anfänglichen Überraschung bald erholt und setzte sich in seinen Unterkünften zähe zur Wehr. Besonders hartnäckig hielt er die wichtige Zitadelle von Brest mehrere Tage und sperrte dadurch die Bahn und die Straßen über Bug und Muchawiec. Am Abend kämpfte die Panzergruppe um Maloryta, Kobryn, Brest-Litowsk und Pruzana. Bei letztgenanntem Ort geriet die XVIII. Panzerdivision in die ersten Panzerkämpfe. Am 23. Juni verließ ich meinen Gefechtsstand um 4.10 Uhr und begab mich zunächst zum XII. Armeekorps, wo mich General Schroth über den Verlauf des Kampfes um Brest-Litowsk unterrichtete. Von dort fuhr ich zum XXXXVII. Panzer-Korps nach dem 23 Kilometer nordnordostwärts Brest-Litowsk gelegenen Dorfe Bildejki. Dort hatte ich eine Aussprache mit General Lemelsen und erhielt Fernsprechverbindung zu meinem Gefechtsstand zur Orientierung über die Gesamtlage. Anschließend begab ich mich zur XVII. Panzerdivision, bei der ich um acht Uhr eintraf und von dem Kommandeur der Schützen-Brigade, General Ritter von Weber, über seine Maßnahmen unterrichtet wurde. Um 8.30 Uhr traf ich General Nehring, XVIII. Panzerdivision, und anschließend nochmals General Lemelsen. Dann fuhr ich nach Pruzana, wohin der Gefechtsstand der Panzergruppe vorgezogen wurde. Die Führungsabteilung des Stabes traf um 19 Uhr dort ein. Das XXIV. Panzer-Korps kämpfte sich an diesem Tage längs der Straße Kobryn – Beresa Kartuska auf Sluzk vorwärts. Sein Korpsgefechtsstand ging nach Beresa Kartuska. Ich gewann den Eindruck, daß beim XXXXVII. Panzerkorps bereits ernstere Kämpfe mit den aus Richtung Bialystok nach Südosten zurückgehenden Russen bevorstünden, und entschloß mich daher, den nächsten Tag abermals beim XXXXVII. Panzerkorps zuzubringen…“

Das Unternehmen Zitadelle und die Feuertaufe unseres Panthers

Ja, unseren Panther. Den hätte ich gerne in Afrika gegen das alte Scheißhaus Monty und seine Shermans vorrollen lassen: https://www.youtube.com/watch?v=gSuoviYxm-U Doch wurde der Panther leider nicht rechtzeitig fertig und mußte daher seine Feuertaufe 1943 beim Unternehmen Zitadelle bestehen. Mit seinen 46 Tonnen Gewicht war unser Panther recht schnell (24 bis 46 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit) und überaus geländegängig. Seine 120mm starke Frontpanzerung schützte ihn vor feindlichem Beschuß. Einzig von der Seite und im Rücken war unser Panther etwas anfällig. Seine Reichweite betrug 90 bis 180 Kilometer, womit man schon etwas anfangen kann. Die Bewaffnung bestand in einer 7,5cm-Kampfwagenkanone und zwei Maschinengewehren (zuzüglich der Walzkraft). Der 700 Pferdestärken-Motor bereitete allerdings einigen Kummer wie unser Panther überhaupt noch mit einigen Kinderkrankheiten zu kämpfen hatte. 6000 Stück sind gebaut worden, aber heute zählt der Panther mit zu den am stärksten bedrohten altdeutschen Panzerkatzen. Das Unternehmen Zitadelle stellt unseren letzten Versuch da, den Abwehrkampf im Osten angriffsweise zu entscheiden. Dazu hat sich unser Generaloberst Kurt Zeitzler – auf Anregung von unserem Feldmarschall Erich von Manstein – den Kursker Frontvorsprung ausgesucht. Den sollte unsere Heeresgruppe Mitte (Feldmarschall Günther von Kluge) von Norden mit ihrer IX. Armee (Feldmarschall Walter Model) und unsere Heeresgruppe Süd mit ihrer IV. Panzerarmee (Generaloberst Hermann Hoth) abschnüren. Zwei Wochen tobte die Schlacht, bei der sich unsere IX. Armee recht schnell im russischen Stellungssystem festfraß, während unsere IV. Panzerarmee doch recht große Anfangserfolge erzielen konnte. Noch bevor die Schlacht entschieden war, wurde sie vom Oberkommando abgebrochen. Der Grund dafür lag in der Landung der Amerikaner und Engländer in Italien… Bei Kursk standen sich zwei Millionen russische Kriegsknechte und 778,000 deutsche Recken gegenüber. An Panzern verfügten die Russen über 5000, wir Deutschen nur über 2500. Den Russen standen 31,400 Geschütze zur Verfügung, uns Deutschen nur 7400 und auch bei den Fliegern waren uns die Russen mit 3600 Stück deutlich überlegen. Wir hatten nämlich nur 1400 Flieger. Doch standen in unseren Reihen Helden wie Hans-Ulrich Rudel oder Michael Wittmann. Verloren haben die Russen bei Kursk 178,000 Mann, 2000 Panzer, 4000 Geschütze und 2000 Flugzeuge. Unsere Einbuße belief sich auf 54,000 Verwundete und Gefallene, 320 Panzer, 500 Geschütze und 160 Flugzeuge. Über die Anlage des Unternehmens Zitadelle schreibt unser Feldmarschall von Manstein in seinem Panzerbuch „Verlorene Siege“:

„Mit der Absicht, den Gegner noch im Stadium der Schwäche zu treffen, wurde also die Operation „Zitadelle“ angelegt. Nach den Weisungen des Oberkommandos des Heeres sollte der feindliche Frontbogen um Kursk durch einen an seinen Eckpfeilern angesetzten Zangenangriff der Heeresgruppe Mitte (von Norden) und der Heeresgruppe Süd (von Süden) abgeschnitten und die in ihm stehenden Feindkräfte vernichtet werden. Für beide Heeresgruppen lag in diesem Angriff zweifellos ein erhebliches Risiko. Der Angriff der Heeresgruppe Mitte mußte aus der Südfront des Orelbogens angesetzt werden. Wie der vom Gegner um Kursk gehaltene Frontbogen weit nach Westen in unsere Linien vorsprang, so ragte – nördlich von ihm – der von der Heeresgruppe Mitte gehaltene Orelbogen weit nach Osten in die feindliche Front hinein. Als Basis für die Operation „Zitadelle“ bot er dem Gegner die Möglichkeit eines umfassenden Angriffs und somit – im Falle des Erfolges eines solchen – einer Gefährdung des Rückens der zum Angriff „Zitadelle“ von der Heeresgruppe Mitte angesetzten Kräfte. Im Bereich der Heeresgruppe Süd lag die Gefahr in der Tatsache, daß das Donezgebiet unter allen Umständen gehalten werden sollte, das durch seine exponierte Lage dem Feinde die Möglichkeit eines von überlegenen Kräften geführten Angriffs von zwei Seiten bot. Trotz dieser Bedenken haben beide Heeresgruppen das Äußerste getan, um durch möglichst hohen Kräfteeinsatz das Gelingen von „Zitadelle“ sicherzustellen. Unzweifelhaft aber war, daß das Risiko bei den Heeresgruppe um so größer werden mußte, je länger man dem Gegner Zeit ließ, seine angeschlagenen Kräfte wieder herzustellen (siehe Anlage XIII). Die Heeresgruppe Mitte stellte für ihren von Norden zu führenden Angriff die IX. Armee unter dem Befehl des Generalobersten Model bereit. Sie konnte für den eigentlichen Durchbruchsangriff in Richtung Kursk drei Panzerkorps mit insgesamt sechs Panzer-, zwei Panzergrenadier- und sieben Infanteriedivisionen verfügbar machen. (Panzergrenadierdivision war die neu eingeführte Bezeichnung der bisherigen motorisierten Infanteriedivision.) Diese drei Korps hatten, aus der Südfront des Orelbogens antretend, die feindliche Front auf etwa 50 Kilometer Breite zu durchbrechen, wobei den beiden Flügelkorps zugleich die offensive Abdeckung des Stoßkeils nach den Flanken zufiel. Jedoch sollte die Durchbruchsfront noch durch Angriffe der beiden östlich und westlich anschließenden Infanteriekorps der Armee nach Möglichkeit verbreitert werden. Diesen fiel zugleich die Sicherung der tiefen Flanken der Durchbruchsgruppe zu. Der Angriff der IX. Armee sollte von der I. Fliegerdivision unterstützt werden. Von der den Kursker Bogen von Westen her abschließenden II. Armee, die auf einer Front von rund 200 Kilometern mit nur neun schwachen Infanteriedivisionen stand, konnte wohl kaum mehr erwartet werden, als daß sie den vor ihr stehenden Gegner zu fesseln versuchte, um seine Einkreisung durch die Angriffsgruppen zu ermöglichen. Der Heeresgruppe Süd war es möglich, der Angriffsoperation „Zitadelle“ einen größeren Rahmen zu geben, indem sie zwei Armeen mit insgesamt fünf Korps mit elf Panzer.- und sieben Infanteriedivisionen für den Angriff bereitstellte. Für den Ansatz der Armeen war nach Auffassung des Oberkommandos der Heeresgruppe maßgebend, daß der Gegner alsbald seine starken ostwärts und nordostwärts Charkow stehenden operativen Reserven in den Kampf werfen würde. Mindestens so wichtig wie der Stoß auf Kursk zur Abschnürung der im Kursker Bogen stehenden Feindkräfte war es, diesen Stoß gegen die heraneilenden feindlichen Panzer- und mechanisierten Verbände nach Osten offensiv abzuschirmen. Denn gerade deren Zerschlagung sollte ja auch ein wesentliches Ziel der Operation „Zitadelle“ sein. Die Armeeabteilung Kempf hatte mit einem Infanteriekorps weiterhin die Abwehrfront am Donez von südostwärts Charkow bis in die Höhe von Woltschansk zu halten. Sie erhielt mit einem Infanterie- und einem Panzerkorps (insgesamt drei Panzer- und drei Infanteriedivisionen) den Auftrag der offensiven Abschirmung der Durchbruchsoperation auf Kursk nach Osten beziehungsweise Nordosten. In Durchführung dieser Aufgabe hatte die Armeeabteilung aus der Donezfront Woltschansk – Bjelgorod vorzubrechen, mit dem Infanteriekorps eine Abwehrfront nach Osten längs der Korotscha zu gewinnen, während das Panzerkorps nach Nordosten in allgemeiner Richtung auf Skorodnoje vorzustoßen haben würde. Ein weiteres Panzerkorps zu zwei Panzerdivisionen, das zunächst als Reserve der Heeresgruppe zurückgehalten wurde, sollte der Armeeabteilung zur Verfügung gestellt werden, sobald sie genügend Raum und Bewegungsfreiheit nach Nordosten gewonnen hatte. Gemeinsam mit dem erstgenannten Panzerkorps sollten alsdann im Kampf im freien Gelände die zum Eingreifen in die Schlacht heraneilenden Panzerverbände des Gegners zerschlagen werden…“

In seiner Pantherfibel kommt unser unbekannter Dichter nun zum Treffen mit der Kampfwagenkanone unseres Panthers: https://archive.org/details/generalinspekteurderpanzertruppenpantherfibel1944119s.scan_202004

„So treffen die Schüsse der Kampfwagenkanone auf, wenn man das Visier um je 100 Meter weiter stellt.

Liegende Ziele werden nur getroffen, wenn die Entfernung auf den Meter genau stimmt. Breite und Länge lind gleichgültig!

Stehende Ziele kannst Du gar nicht verfehlen. Die Treffer sitzen Im Abstand ein Strich übereinander. Die Höhe ist wichtig!

Auf 500 Meter also alle 50 Zentimeter ein Treffer. Ein zwei Meter hohes Ziel wird vier mal getroffen. Du kannst Dich rauf und runter um 200 Meter verschütten. wenn Visier größter als Entfernung!

Zwar: liegende Ziele sind schwierig au kriegen,

Dieweil Deine Schüsse schön waagerecht fliegen.

Doch; stehende Ziele, die werden ganz leicht

Von mehreren! nicht bloß von einem erreicht.

Drum ist’s heut nicht ratsam, so aufrecht zu schreiten

Wie einstmals zu Göttern und Wallenstein Zellen.

Du hast ja nur stehende Ziele – erklärlich -,

Denn alles, was liegt, ist nur selten gefährlich.

Somit hast Du stell für gefährliche Ziele

Nicht ein Visier nur, aber nein, Du hast viele,

Von denen nur eint, genau auf den Meter

Ganz gleich der Entfernung – warum, hörst Du später.

Die andern Visiere sind ausnahmslos größer,

Und diese Visiere, die treffen viel besser.

Zunächst merk Dir nur, daß im Großdeutschen Reiche

Visier und Entfernung durchaus nicht das gleicht.

Läßt man nun eine Scheibe sitzen

Schön sauber auf den Stachelspitzen

Und schießt, wobei nach jedem Schuß

Man 100 weiter stellen muß,

Dann klettern wie an einer Leiter

Die Schüsse schrittweis immer weiter

Und setzen sich grad auf die Sprossen.

Abstand; ein Strich bei Sprenggeschossen.

Bei Panzermunition jedoch

Steigt jeder Schuß nur halb so hoch.

Doch Du erfährst erst weiter hinten,

Warum wir das erfreulich finden.

Wir sehn uns an den ganzen Laden

Zunächst nur für die Sprenggranaten.

Willst Du auf einer Solle geigen,

Dann wird sieh bald ein Mangel zeigen:

Du kannst zwar Immer höher klettern,

Kannst eine ganze Leiter schmettern,

Doch nie sind Töne rauszukriegen,

Die tiefer als die Saite liegen.

So geht’s auch mit der Trefferleiter:

Alle Visiere liegen weiter,

Mit denen man was treffen will,

Als die Entfernung bis zum Ziel.

Auf einem Grundton baut sich auf

In der Musik der Töne Lauf.

Das heißt, die Leiter liegt dann nur

Darüber; gleich, ob Moll, ob Dur.

Der Fußpunkt Deiner Trefferleiter

Ist die Entfernung! Schießt Du weiter,

Gibt’s Treffer. Stellst’s Visier Du kleiner.

Dann wird es ganz todsicher keiner.

Es kann zu einem Treffer führen

Ne ganze Leiter von Visieren

Und die Entfernung ist davon

Der Fußpunkt nur, der Untenan.

Die andren Sprossen liegen drüber,

Und die Visiere sind uns lieber.

Die Zahl der Sprossen ist soviel

Wie Striche hoch ist unser Ziel.

Für jede Sprosse ein Visier!

Abstand: ein Strich! So Schießen wir bis 1200 Meter! …“

Die Einnahme von Sewastopol (Unternehmen Störfang)

Am heutigen Tag im Jahre 1942 hat unser Panzerstratege Erich von Manstein die russische Festung Sewastopol erobert, in der sich acht russische Divisionen und drei Brigaden, sprich eine ganze Armee verschanzt hatten. Die Stadt selbst ist zwar schon am 1. Juli gefallen, aber da sich die Kämpfe in der Umgebung noch bis heute hinzogen, feiern wir den Fall von Sewastopol erst jetzt. Mit der Erstürmung von Sewastopol fand auch der zweijährige Krimfeldzug seinen krönenden Abschluß und unser Manstein hat für diesen Panzerstreich den Marschallstab verliehen bekommen. Von der Einnahme Sewastopols berichtet uns unser Feldmarschall von Manstein natürlich ausführlich in seinem Panzerbuch „Verlorene Siege“ und ich beginne darin mit den Planungen für die Panzerschlacht:

„Noch stand der XI. Armee die schwerste Aufgabe bevor: die Eroberung der Festung Sewastopol. Unsere Absichten hinsichtlich der Führung des Festungsangriffes hatte ich, zusammen mit denen für die Kertschoffensive, bereits Mitte April Hitler im Führerhauptquartier dargelegt. Es war das erste Mal, daß ich als höherer Befehlshaber mit ihm zusammenkam, seit ich ihm im Februar 1940 meine Gedanken über die Führung der Westoffensive vorgetragen hatte. Auch bei dieser zweiten Begegnung hatte ich den Eindruck, daß er nicht nur sehr genau über alle Einzelheiten der rückliegenden Kämpfe unterrichtet war, sondern daß er auch durchaus Verständnis für die ihm vorgetragenen operativen Gedankengänge zeigte. Er hörte meine Ausführungen aufmerksam an und stimmte den Absichten des Armeeoberkommandos sowohl hinsichtlich der Führung der Kertschoffensive wie der des Festungsangriffs voll zu. Er machte in keiner Weise den Versuch, in unsere Absichten hineinzureden oder, wie es später bei ihm häufig der Fall war, in endlose Aufzählungen von Produktionszahlen und so weiter abzuschweifen. Eine grundsätzliche Frage ist damals allerdings nicht erörtert worden: Ob es – im Hinblick auf die geplante Offensive in der Ukraine – noch richtig sei, die ganze XI. Armee für eine nicht mit Sicherheit vorauszuberechnende Zeit im Angriff auf die starke Festung Sewastopol festzulegen? In Sonderheit nachdem durch den Sieg auf der Halbinsel Kertsch die Gefahr für die Krim gebannt war. Diese Frage zu entscheiden, war zweifellos Sache der obersten Führung, nicht der Armee. Ich selbst war damals und bin auch heute noch der Ansicht, daß der der XI. Armee gegebene Auftrag, zunächst Sewastopol zu nehmen, richtig gewesen ist. Hätte man sich weiterhin darauf beschränkt, die Festung nur einzuschließen, so wären doch außer den rumänischen Kräften noch mindestens drei bis vier deutsche Divisionen, also die Hälfte der XI. Armee, auf der Krim gebunden geblieben. Ein Fehler ist es dagegen ganz zweifellos gewesen, daß die oberste Führung, nachdem Sewastopol rechtzeitig gefallen war, die XI. Armee vom Südflügel der Ostfront fortzog, um Leningrad und zum Flicken von Frontlücken zu verwenden. Die XI. Armee hätte nach dem Fall von Sewastopol – wie ursprünglich geplant – über die Meerengen von Kertsch nach dem Kuban vorgeführt werden müssen, um die vor der Heeresgruppe A vom unteren Don nach dem Kaukasus zurückweichenden Feindkräfte abzufangen. Oder, wenn es dazu zeitlich zu spät war, hätte man sie in jedem Fall als Reserve hinter dem Südflügel nachführen sollen. Die Tragödie von Stalingrad wäre dann wohl vermieden worden. Unmittelbar nach Abschluß der Kämpfe bei Kertsch leitete das Armeeoberkommando die Umgruppierung der Kräfte für den Angriff auf Sewastopol ein. Dem Generalkommando XLII wurde die Sicherung der Halbinsel Kertsch sowie der Südküste der Krim übertragen. Ihm verblieben hierzu an deutschen Kräften nur die XLVI. Infanteriedivision, ferner das rumänische Generalkommando 7 mit der rumänischen 10. und 19. Infanteriedivision, der 4. Gebirgsdivision und der 8. Kavalleriebrigade. Alle andern Kräfte wurden sofort nach Sewastopol in Marsch gesetzt. (Die XXII. Panzerdivision mußte an Heeresgruppe Süd abgegeben werden.) Daß der Angriff auf die Festung noch schwieriger sein würde als im Dezember des vergangenen Jahres, lag auf der Hand. Hatte der Gegner doch inzwischen ein halbes Jahr Zeit gehabt, seine Befestigungen zu verstärken, seine Verbände aufzufüllen und Materialreserven über See in die Festung zu bringen. Die Stärke der Festung Sewastopol lag nicht so sehr in modernen Festungswerken, obwohl auch von diesen einige vorhanden waren. Sie lag vielmehr in der außerordentlichen Schwierigkeit des Geländes und in seinem Ausbau mit einer Unzahl von kleineren Anlagen. Diese bedeckten wie ein dichtes Netz das gesamte Gebiet vom Belbektal bis zu Küste des schwarzen Meeres. Insbesondere das ganze Gelände zwischen dem Belbektal und der Ssewernaja-Bucht stellte ein stark ausgebautes Festungskampffeld dar…“

Die Schlacht von Königgrätz

Bei Königgrätz hat 1866 ausnahmsweise nicht der Operationsplan das Zusammentreffen mit der feindlichen Hauptmacht nicht überlebt, sondern die feindliche Hauptmacht mußte den Löffel abgeben. Der Grund dafür liegt wohl darin, daß unser Moltke der Ältere den Schlachtplan entworfen hat. In drei Armeen teilte er seine Streitmacht und in dem Augenblick, als die Österreicher sich schon Hoffnungen machten, seine I. Armee schlagen zu können, erschienen wie geplant die II. Armee und die Elbarmee und damit war die Schlacht auch schon entschieden. Die Österreicher und Sachsen verfügten über 220,000 Mann, während die Preußen mit 240,000 Mann zum Angriff schritten. Am Ende des Tages hatten die Preußen 22,000 Gefangene gemacht und fünf Fahnen sowie 160 Geschütze erbeutet. Außerdem hatten die Österreicher noch 21,000 Gefallene und Verwundete zu beklagen. Die Verluste der Preußen beliefen sich auf 9000 Verwundete und Gefallene. Aus dem Sieg auf dem Schlachtfeld machte unser Eiserner Kanzler Otto von Bismarck schnell einen diplomatischen Sieg. Er schloß mit den Österreichern nämlich umgehend Frieden und nahm damit Napoleon III. von Gallien die Möglichkeit in den innerdeutschen Streit einzugreifen. Unser Feldmarschall Paul von Hindenburg hat uns in „Aus meinem Leben“ einen Schlachtbericht, aus der Sicht eines Offiziers, gegeben, in dem ich nun ein Stückchen weiterlese: https://archive.org/details/ausmeinemleben30695gut

„Zwischen Chlum und Nedelist traf unser Halbbataillon – eine damals sehr beliebte Gefechtsformation – im Nebel und Getreide überraschend auf feindliche, von Süden vorkommende Infanterie. Sie wurde durch das überlegene Zündnadelgewehr bald zum Weichen gebracht. Ihr mit meinem Schützenzuge in aufgelöster Ordnung folgend, stieß ich plötzlich auf eine österreichische Batterie, die in rücksichtsloser Kühnheit herbeieilte, abprotzte und uns eine Kartätschlage entgegenschleuderte. Von einer Kugel, die mir den Helm durchbohrte, am Kopf gestreift, brach ich für kurze Zeit bewußtlos zusammen. Als ich mich wieder aufraffte, drangen wir in die Batterie ein. Fünf Geschütze waren unser, die drei anderen entkamen. Das war ein stolzes Gefühl, als ich hoch auf atmend, aus leichter Kopfwunde blutend unter meinen eroberten Kanonen stand. Aber ich hatte nicht Zeit, auf meinen Lorbeeren auszuruhen. Feindliche Jäger, kenntlich an den Hahnenfedern auf ihren Hüten, tauchten im Weizen auf. Ich wies sie ab und folgte ihnen bis zu einem Hohlwege. Der Zufall wollte es, daß im Verlauf des letzten großen Krieges dieses mein erstes Schlachterlebnis in Österreich bekannt wurde. Ein verabschiedeter ehemaliger Offizier, Veteran von 1866, schrieb mir infolgedessen aus Reichenberg in Böhmen, daß er bei Königgrätz als Regimentskadett in der von mir angegriffenen Batterie gestanden habe, und belegte diese Tatsache durch eine Skizze. Da er noch einige freundliche Worte hinzufügte, dankte ich ihm herzlich, und so war zwischen den einstigen Gegnern ein recht kameradschaftlicher Briefwechsel zustande gekommen. Als ich den oben erwähnten Hohlweg erreichte, hielt ich Umschau. Die feindlichen Jäger waren im Regendunst verschwunden. Die umliegenden Dörfer – vor mir Wsestar, rechts Rosberitz und links Sweti – waren merkbar noch in Feindes Hand; um Rosberitz wurde bereits gekämpft. Ich selbst war mit meinem Zug allein. Hinter mir war nichts von den Unsrigen zu sehen. Die geschlossenen Abteilungen waren mir nicht südwärts gefolgt, sondern schienen sich nach rechts gewendet zu haben. Ich beschloß, meiner Einsamkeit auf dem weiten Schlachtfelde dadurch ein Ende zu machen, daß ich mich in dem Hohlweg nach Rosberitz heranzog. Bevor ich mein Ziel erreichte, brausten noch mehrere österreichische Schwadronen, mich mit meiner Handvoll Leuten nicht bemerkend, an mir vorüber. Sie überschritten vor mir den Hohlweg an einer flachen Stelle und stießen kurze Zeit darauf, wie mir das lebhafte Gewehrfeuer verriet, im Gelände nordöstlich Rosberitz auf mir unsichtbare diesseitige Infanterie. Bald rasten von dorther ledige Pferde zurück und schließlich jagte alles wieder an mir vorbei. Ich schickte noch einige Kugeln nach; die weißen Mäntel der Reiter boten in der trüben Witterung gute Ziele. Die Lage in Rosberitz war, als ich dort eintraf, eine ernste. Ungestüm vordrängende Züge und Kompanien verschiedener Regimenter unserer Division waren daselbst auf sehr überlegene feindliche Kräfte geprallt. Hinter unsern schwachen Abteilungen befanden sich zunächst keine Verstärkungen. Die Masse der Division war von dem hochgelegenen Dorfe Chlum angezogen worden und stand dort in heftigem Kampf. Mein Halbbataillon, mit dem ich mich am Ostrande von Rosberitz glücklich wieder vereinigte, war daher die erste Hilfe. Wer mehr überrascht ist, die Österreicher oder wir, vermag ich nicht zu beurteilen. Jedenfalls drängen die zusammengeballten feindlichen Massen von drei Seiten auf uns, um das Dorf wieder ganz in Besitz zu nehmen. So fürchterlich unser Zündnadelgewehr auch wirkt, über die stürzenden ersten Reihen kommen immer wieder neue auf uns zu. So entsteht in den Dorfgassen zwischen den brennenden, Stroh bedeckten Häusern ein mörderisches Handgemenge. Von Kampf in geordneten Verbänden ist keine Rede mehr. Jeder sticht und schießt um sich, so viel er kann. Prinz Anton von Hohenzollern vom I. Garderegiment bricht schwer verwundet zusammen. Fähnrich von Woyrsch, der jetzige Feldmarschall, bleibt mit einigen Leuten im hin- und herwogenden Kampf bei dem Prinzen. Dessen goldene Uhr wird mir überbracht, damit diese nicht etwa feindlichen Plünderern in die Hände fällt. Bald laufen wir Gefahr, abgeschnitten zu werden. Aus einer in unseren Rücken führenden Seitengasse tönen österreichische Hornsignale, hört man die dumpfer als die unserigen klingenden Trommeln des Feindes. Wir müssen, auch in der Front hart bedrängt, zurück. Ein brennendes Strohdach, das auf die Straße herabstürzt und sie mit Flammen und dichtem Qualm absperrt, rettet uns. Wir entkommen unter diesem Schutz auf eine Höhe dicht nordöstlich des Dorfes. Weiter wollen wir in wilder Erbitterung nicht zurückgehen. Major Graf Waldersee vom I. Garderegiment zu Fuß, der 1870 vor Paris als Kommandeur des Garde-Grenadierregiments Königin Augusta fiel, läßt als ältester anwesender Offizier die bei uns befindlichen beiden Fahnen in die Erde stecken; um diese geschart werden die Verbände wieder geordnet. Schon nahen auch von rückwärts Verstärkungen. Und so geht es denn bald wieder mit schlagenden Tambours vorwärts, dem Feinde entgegen, der sich mit der Besitzergreifung des Dorfes begnügt hat. Auch dieses räumt er bald, um sich der allgemeinen Rückzugsbewegung seines Heeres anzuschließen. In Rosberitz fanden wir den Prinzen von Hohenzollern wieder, der aber nach kurzer Zeit im Lazarett zu Königinhof seinen Wunden erlag. Seine treue Bedeckung hatte der Feind als Gefangene mitgeführt. Auch aus meinem Zuge teilten mehrere Grenadiere dieses Schicksal, nachdem sie sich in einer Ziegelei tapfer verteidigt hatten. Als wir zwei Tage später auf dem Weitermarsch abends südwestlich der Festung Königgrätz Biwaks bezogen, fanden sich die braven Leute wieder bei uns ein. Der Kommandant der Festung hatte sie in der Richtung auf die preußischen Biwakfeuer hinausgeschickt, um der Sorge ihrer Ernährung enthoben zu sein. Sie hatten das Glück, gerade ihren eigenen Truppenteil vorzufinden…“

Fürst Leopold von Dessau, der alte Dessauer

Drei preußischen Königen diente Leopold von Anhalt, der alte Dessauer genannt, welcher am heutigen Tag im Jahre 1676 zu Dessau das Licht der Welt erblickte. Für Friedrich I., Friedrich Wilhelm I. und Friedrich den Großen zog er ins Feld und besiegte deren Feinde. Im Spanischen Erbfolgekrieg führte er die preußischen Truppen in den Schlachten von Höchstädt, Turin und Malplaquet. Sein Anteil am Sieg ist nicht gering und so manches Lob hat er dafür von unserem Prinzen Eugen erhalten. Im Großen Nordischen Krieg schlug er Karl XII. von Schweden in Pommern vor Stralsund und auf Rügen. Und im zweiten Schlesischen Krieg besiegte er 1745 die Österreicher und Sachsen bei Kesseldorf. Der ein oder andere Schädel Met sollte also durchaus zu seinen Ehren geleert werden. Für Nachwuchs hat unser alter Dessauer auch gesorgt: Mit seiner Gattin Anna Luise (einer Apothekertochter) zeugte er vier Söhne und fünf Töchter und hatte zudem mit einer Geliebten noch zwei uneheliche Söhne. Es versteht sich, daß seine Söhne sich ebenfalls dem Kriegshandwerk widmeten. Den Ausgang des Feldzuges in Pommern von 1714/15 lesen wir nun bei Friedrich dem Großen in den „Denkwürdigkeiten zur Geschichte des Hauses Brandenburg“: http://friedrich.uni-trier.de/de/volz/1/uc_p1

Karl XII. ließ sich durch die Kriegslist des Fürsten von Anhalt täuschen und langte nicht rechtzeitig an, um sich der Landung zu widersetzen. Da er die Bedeutung der Insel kannte, setzte er sich, wiewohl er nur 4000 Mann hatte, gegen den Fürsten von Anhalt in Bewegung, und zwar bei Nacht, weil er seine geringe Truppenzahl dem Gegner verbergen wollte, und weil er hoffte, ihn zu überraschen. Er marschierte mit dem Degen in der Hand an der Spitze seiner Infanterie und führte sie bis an den Schanzgraben. Mit eigenen Händen riß er spanische Reiter heraus, die ihn umsäumten. Er wurde beim Angriff leicht verwundet; General Düring fiel an seiner Seite. Die geringe Anzahl seiner Truppen, das Dunkel der Nacht, die Attacke der sechs preußischen Schwadronen gegen die Flanke der Schweden, die Hindernisse der mit spanischen Reitern besetzten Verschanzung und vor allem die Verwundung des Königs: all diese Umstände zusammen brachten die Schweden um die Früchte ihrer Tapferkeit. Das Glück hatte sich von der schwedischen Nation abgewandt. Alles verschwor sich zu ihrem Niedergang. Der verwundete König hatte sich zurückgezogen, um sich verbinden zu lassen. Seine geschlagenen Truppen flüchteten. Am folgenden Morgen fielen bei der Schanze Alte Fähre 1200 Schweden in die Hände der Preußen. Die Insel Rügen wurde von den Verbündeten völlig besetzt. Sehr betrauert wurde der tapfere Oberst Wartensleben, der an der Spitze der preußischen Gensdarmes den Tod fand. Er hatte viel zur Niederlage der Schweden beigetragen. Karl XII. verließ nach diesem Mißerfolg Rügen und fuhr wieder nach Stralsund hinüber. Die Stadt war nicht mehr weit von der Übergabe. Bis zum Gegenwall waren die Belagerer vorgedrungen und schickten sich bereits an, ihren Minengang gegen den Hauptgraben vorzuschieben. Im Charakter des Königs von Schweden lag es, Schicksalsschlägen störrischen Eigensinn entgegenzusetzen. Er wollte dem Schicksal Trotz bieten und in eigner Person die Bresche verteidigen, wenn die Belagerer den Hauptsturm unternahmen. Seine Generale warfen sich ihm zu Füßen und beschworen ihn, sich nicht so nutzlos preiszugeben. Als sie sahen, daß sie ihn durch Bitten nicht umzustimmen vermochten, stellten sie ihm die Gefahr vor Augen, die ihm drohe, wenn er in die Hände seiner Feinde fiele. Das bestimmte ihn endlich, die Stadt zu verlassen. Er bestieg einen leichten Kahn und fuhr im Schutze der Nacht mitten durch die dänische Flotte, die den Hafen von Stralsund blockierte. Mit Mühe und Not gelangte er an Bord eines seiner Kriegsschiffe, das ihn nach Schweden brachte. Vierzehn Jahre vorher war er aus seinem Königreich ausgezogen als ein Eroberer, der im Begriff steht, die Welt im Siegeslaufe zu unterwerfen. Als Flüchtling kehrte er nun heim, von seinen Feinden verfolgt, seiner schönsten Provinzen beraubt und von seinem Heer verlassen. Sobald der König von Schweden fort war, dachte die Stadt Stralsund an nichts als an Übergabe. Die Besatzung kapitulierte am 23. Dezember. General Dücker, Kommandant von Stralsund, sandte nach dem Hauptquartier des Königs von Preußen, um die Einzelheiten der Kapitulation zu vereinbaren. Die Besatzung gab sich kriegsgefangen. Zwei preußische Bataillone, ebenso viele Sachsen und ebenso viele Hannoveraner ergriffen Besitz von der Stadt. Aus sämtlichen Schweden, die im Lauf des Feldzugs gefangen genommen waren, bildete der König von Preußen ein neues Infanterieregiment und gab es dem Prinzen Leopold von Anhalt, dem zweiten Sohn des Fürsten, der das Heer des Königs befehligte. Nach dem Krieg teilten sich die Sieger in den Balg des Besiegten. Der König von Preußen behielt den Teil von Pommern zwischen der Oder und der Peene, einem Flüßchen, das in Mecklenburg entspringt und sich bei Peenemünde ins Meer ergießt. Das übrige Pommern zwischen der Peene und Mecklenburg fiel durch den Frieden von Stockholm (1720) an Schweden zurück…“

Lange hielt der Frieden von Rijswijk von 1697 nicht und so bekam unser Alter Dessauer bald wieder zu tun. Denn schon 1702 brach der Spanische Erbfolgekrieg aus, in welchem Preußen auf Seiten unseres Kaisers Leopolds des Ersten kämpfte. Genaueres weiß unser Geschichtsschreiber Michael Ranft in seinem epischen Werk „Des weltberühmten Fürstens Leopold von Anhalt-Dessau Leben und Taten“ zu berichten: https://reader.digitale-sammlungen.de/resolve/display/bsb10020135.html

Das Anhaltische Haus hat von alten Zeiten her seinem Interesse gemäß zu sein erachtet, mit Kurbrandenburg in guter Freundschaft und genauer Verbindung zu stehen. Da nun sonderlich der Vater unseres Fürstens nicht nur mit diesem Hause in eine sehr genaue Schwägerschaft getreten, sondern auch solchem viel getreue Dienste geleistet, wofür er mit ganz besondern Gnaden von denen beiden Kurfürsten, Friedrich Wilhelm und Friedrich, angesehen, und deshalben zu der Statthalterschaft in der Mark erhoben worden, so hat unser Fürst nach dem Antritt seiner Regierung um so viel weniger Ursache gehabt, von dieser Maxime abzugehen, da er bereits nicht nur in den Diensten dieses mächtigen Hauses sich befände, sondern auch schon viele Gnaden-Bezeugungen von demselben genossen hatte, zu welchem insbesondere noch das höchst wichtige Gouvernement zu Magdeburg kam, das ihm im Jahr 1700 aufgetragen wurde. Anno 1701 nahm der Spanische Sukzessionskrieg seinen Anfang. Weil nun der Kurfürst von Brandenburg, der sich zu Anfang dieses Jahrs zum ersten Könige in Preußen krönen ließ, voraussahe, daß dieser Krieg allgemein werden würde, und daher seine Lande in Sicherheit, sich selbst aber in Zeiten in eine gute Verfassung setzen wollte, kriegte unser Fürst Befehl, ins Klevische zu gehen, um daselbst sowohl die Truppen als Festungen in einen guten Stand zu setzen, und die dasigen Grenzen zu bedecken. Es verstriche aber das Jahr, ohne das es der Orten zur öffentlichen Ruptur kam, daher sich der Fürst bald wieder nach Dessau, und von da nach Berlin zurück begab. Im folgenden 1702. Jahre schlug das Kriegsfeuer überall in volle Flammen aus. Der König in Preußen nahm nicht nur als ein ansehnlicher Reichsstand, sondern auch in Ansehen der genauen Verbindung mit Holland Anteil daran. Er ließ ein ansehnliches Korps von seinen Truppen zu denen Holländischen Völkern bei Mühlheim stoßen, die unter dem Kommando des Fürstens von Nassau – Saarbrücken vor die Kölnische Festung Kaiserswerth rückten. Unser Fürst wohnte diesem Feldzuge in Qualität eines Generalmajors bei. Er fand sich schon im Mark bei Wesel ein, allwo damals das Rendezvous der Königlich Preußischen Truppen war. Den 16. April wurde die Festung berennt, und den 18. der Anfang zur Belagerung gemacht. Es wurden zwei Attacken formiert, eine am Oberrhein unter dem Kommando des Holländischen Generalleutnants von Salisch, und die andere am Unterrhein, wobei der Preußische Generalleutnant, Baron von Heyden, das Kommando führte. Die Belagerung währte bis den 15. Juni da die Festung mit Akkord an die hohen Alliierten überginge. Gleichwie nun die Preußischen Völker das meiste zu dem glücklichen Ausgange dieser Belagerung beigetragen, und daher auch das meiste Volk vor dieser Festung eingebüßt hatten, also muß man sonderlich dem Fürsten von Dessau den Ruhm geben, daß, da er einen Tag um den andern als Generalmajor das Kommando bei der Preußischen Attacke in denen Gräben gehabt, er sich stets bei denen gefährlichsten Operationen befunden, auch sonderlich bei Bestürmung der Kontrescarpe sich vortrefflich signalisiert. Nachdem Kaiserswerth erobert, ging die Armee bei Düsseldorf über den Rhein, und nahm die festen, mit Französischen Truppen besetzten Schlößer, Kempen und Linn weg, worauf der Marsch gerade auf Venlo ging, welches den 29. August berennt wurde. Der Fürst von Dessau bewies vor diesem Orte eine ganz besondere Bravour. Er führte nicht nur bei Eröffnung der Gräben, die den 11. September diesseits, und den 15. jenseits des Forts Sankt Michel geschahe, das Kommando, sondern half auch den 18. Abends die Kontrescarpe mit Sturm erobern, worauf die Feſtung den 22. dieses mit Akkord überging. Der En Chef kommandierende Fürst von Nassau ließ hierauf Stephenswerth und Roermond zugleich berennen. Mit Stephenswerth brachte man nicht lange zu. Denn, nachdem man den 28. September die Gräben dafür eröffnet, ging es den 2. Oktober mit Akkord über. Der Fürst von Dessau, der eigentlich mit vor Roermond stünde, tat vor Übergabe dieser Festung einen Ritt in das Lager vor Stephenswerth, und besahe die Attacke, kehrte aber bald wieder zurück, um seine Tapferkeit vor Roermond zu beweisen. Er hatte aber mal die Ehre, die Gräben das für den 2. Oktober Abends zu eröffnen. Der Preußische Generalleutnant, Graf von Lotum, dirigierte die Attacke auf dieser Seite, gleichwie der Holländische Generalleutnant von Fage auf der andern Seite tat. Unser Fürst ließ sich fleißig in den Gräben finden, und verrichtete allezeit über den dritten Tag die ihn darin betreffende Ablösung; wiewohl die Festung bereits den 6. Oktober mit Akkord überginge. Die Armee nahm darauf ihren Marsch in die Gegend von Cölln, um dieselbe Stadt von aller damals bevorstehenden Gefahr zu befreien, wobei man zugleich nicht ermangelte, die Festung Rheinbergen zu bombardieren; womit vor diesmal der Feldzug beschlossen wurde. Der Fürst kam darauf mit vielen Lorbeeren gekrönt, glücklich wieder in seiner Residenz an…“

Oberst Hans-Ulrich Rudel

Hans-Ulrich Rudel, unser übergewaltiger Bombenflieger hat heute Geburtstag. In Konradswaldau erblickte er 1916 das Licht der Welt. Sein Eintritt in unsere deutsche Luftwaffe erfolgte 1936 und nachdem er 1939 den Polenfeldzug noch als Aufklärer mitgemacht hat, wurde unser Oberst Rudel 1940 zum Stukageschwader II „Immelmann“ versetzt. Ab 1941 war er mit diesem unermüdlich an der Ostfront im Einsatz. Auf sage und schreibe 2530 Feindflüge brachte er es dabei. Dreißig Mal wurde er mit seinem Flieger abgeschossen, konnte sich aber immer wieder zu unseren Linien durchschlagen. Seine Abschußzahlen können sich wahrhaft sehen lassen: 519 zerstörte Feindpanzer, 72 versenkte Schiffe (darunter auch ein Schlachtschiff und ein Zerstörer), mehr als 800 Fahrzeuge und über 150 Geschütze machte er unschädlich, errang nebenbei noch 9 Luftsiege und vernichtete so manchen feindlichen Bunker und so manche feindliche Brücke. Da verwundert es nicht, daß eigens für unseren Oberst Rudel das Eiserne Kreuz um das goldene Eichenlaub erweitert worden ist. Da unser Held den Sechsjährigen Krieg überlebte, kam man gar nicht erst auf den Einfall, aus diesem einen Verräter machen zu wollen – man denke hier an unseren Werner Mölders, dem die Engländer einen gefälschten Brief untergeschoben haben, oder an einen gewissen Wüstenfuchs… Unser Oberst Rudel griff übrigens auch zur Feder und hat uns mit „Trotzdem“, „Wir Frontsoldaten zur Wiederaufrüstung“, „Dolchstoß oder Legende“, „Mein Kriegstagebuch“, „Mein Leben in Krieg und Frieden“ oder „Von den Stukas zu den Anden“ ein paar schöne Panzerbücher hinterlassen, die nicht nur für die Freunde der Bombenfliegerei lesenswert sind. In seinem Panzerfliegerbuch „Mein Leben in Krieg und Frieden“ stürzt sich unser Oberst Rudel nun mit seiner Stuka in die Panzerschlacht von Kursk, das Unternehmen Zitadelle:

Morgens brummen die Motoren wieder ihr vertrautes Lied. Das Ziel ist jetzt bekannt: Charkow. Wir landen auf dem nördlichen Platz und beziehen Quartier außerhalb der Stadt. Die Stadt selbst macht keinen schlechten Eindruck und ist zweifelsohne eines der Aushängeschilder Sowjetrußlands, wie man sie nicht oft getroffen hat. Ein Hochhaus am Roten Platz kündet von der Sowjetarchitektur und ist, selbst beschädigt noch ein viel begaffter Stolz vom Iwan; ansonsten stammen die Bauten aus der Zarenzeit. Die Stadt besitzt Grünanlagen, ein weitverzweigtes Straßennetz, und Theater. Am nächsten Morgen geht es mit erstem Licht gleich los in Richtung Bjelgorod, in diesem Raum werden wir die nächsten Wochen zu wirken haben. Auf der Erde treffen wir alte Ostfrontbekannte an, hervorragende Divisionen, für die wir gern fliegen. Wir wissen, hier geht es voran und es gibt keine unangenehmen Überraschungen. Außer Panzerdivisionen sind die Leibstandarte, Totenkopf und Großdeutschland eingesetzt. Die Stoßrichtung verläuft nach Norden in Richtung Kursk, wo stärkste Kräfte der Sowjets stehen. Von der Seite stößt man mit unseren Divisionen in die Ausbuchtung der russischen Front, die westlich bis Konotop reicht und im Süden durch Bjelgorod und im Norden durch das Gelände südlich Orel begrenzt ist. Das Ideale wäre, eine direkte Hauptkampflinie zwischen Bjelgorod und Orel über Kursk zu erreichen; ob die eingesetzten Verbände dazu ausreichen werden? An uns soll es nicht fehlen, wir fliegen von früh bis spät vor unseren Panzerspitzen, die bald vierzig Kilometer Gelände gewonnen haben und dicht vor Obojan stehen. Die sowjetische Gegenwehr ist stark, auch in der Luft. An einen der ersten Morgen sehe ich im Anflug über Bjelgorod halb links vor mir hoch oben einen He-111-Verband fliegen. Die Flak schießt auf ihn, eine Maschine explodiert in der Luft und wird in kleinste Teile zerfetzt. Solche Erlebnisse machen härter. Die Opfer unserer Kameraden dürfen nicht umsonst gebracht werden. Nachher greifen wir im Bereich derselben Luftabwehr Bereitstellungen der Sowjets an; während der Tiefangriffe sehe ich vor meinen Augen noch öfter die in der Sonne glitzernden Teile der abgeschossenen He 111. Nachmittags komm€ ein Hauptmann der Luftwaffe zu mir und teilt mir mit, daß heute mein Vetter gefallen sei. Ich erwähne dem Offizier gegenüber, daß mein Vetter wohl heute morgen nordwestlich Bjelgorod mit einer He 111 abgeschossen worden sei. Er ist erstaunt, wie genau ich ihm den Vorgang erklären kann. Es ist der dritte gefallene Sohn in der Familie meines Onkels; er selbst wird später auch noch vermißt gemeldet. Die nächsten Wochen bringen uns schwere Schläge im Geschwader. Mein Kriegsschulkamerad Hauptmann Wutka, Führer der VIII. Staffel, fällt Oberleutnant Schmidt, dessen Bruder kurz vorher im Luftkrieg über Sizilien gefallen war. Bei Wutka und Schmidt ist es nicht ganz klar, ob die Maschine beim Ansatz zum Sturz oder beim Betätigen des Bombenknopfes explodierte. Ist durch irgendeinen Sabotageakt ein Kurzschluß hervorgerufen worden, der die Explosionen zur Folge hatte? Auch einige Monate später, bei ähnlichen Ereignissen, kommen uns diese Gedanken; nachzuweisen ist der Augenblick trotz eingehender Ermittlungen nichts. Unter uns toben bei diesen Operationen große Panzergefechte. Ein Bild, wie wir es seit 1941 nur selten zu sehen bekommen haben. Auf freien Flächen stehen sich die Panzermengen gegenüber, dahinter hat sich die gegnerische Panzerabwehr mit ihren Kanonen getarnt aufgestellt. Teilweise sind auch Panzer als solche eingegraben, besonders dann, wenn sie bewegungsunfähig sind, aber ansonsten noch ihre Kampfkraft besitzen. Mengenmäßig stehen die Sowjets wie immer turmhoch über uns, qualitativ jedoch erkennt man sofort die Überlegenheit unserer Panzer und Sturmgeschütze. Zum ersten Male werden in größeren Verbänden unsere Tigerpanzer eingesetzt; sie überragen alles, was bisher in der Panzerwaffe dagewesen ist. Unsere sämtlichen Panzertypen sind immer wesentlich schneller am Schuß und schießen genauer .Dies beruht zum größten Teil auf der besseren Qualität der Waffen, den Ausschlag aber geben die besseren Menschen, die diese Waffen führen. Gefährlicher für unsere Panzer ist die sowjetische schwere und überschwere Abwehrkanone, die in jedem wichtigen Punkte des Kampfraumes auftaucht. Da die Russen Meister der Tarnung sind, ist die Pak nur schwer zu erkennen und zu bekämpfen. Beim Anblick dieser Panzermengen fällt mir meine Kanonenmaschine vom Erprobungskommando ein, die ich von der Krim aus mitgenommen habe. Bei diesem Riesenangebot von Feindpanzern wäre ein Versuch möglich. Die Flakabwehr über den sowjetischen Panzereinheiten ist zwar sehr groß, jedoch sage ich mir, beide Gruppen stehen sich auf eintausendzweihundert bis eintausendachthundert Metern gegenüber, und wenn ich nicht durch einen Flaktreffer wie ein Stein runterfalle, muß es immer noch möglich sein, die beschädigte Maschine bei den eigenen Panzern hinzuschmeißen. Die erste Staffel mit Bomben fliegt also hinter mir, der einzelnen Kanonenmaschine. So wird es versucht. Im ersten Einsatz explodieren vier Panzer unter den Hammerschlägen meiner Kanonen, bis zum Abend insgesamt zwölf. Uns alle packt eine Art Jagdleidenschaft aus dem herrlich Gefühl, durch jeden Abschuß viel deutsches Blut gerettet zu haben…“

Friedrich Gottlieb Klopstock

In Quedlinburg wurde 1724 unser großer deutscher Dichter und Denker Friedrich Gottlieb Klopstock geboren. Grund also, unseren Dichter mit seinen Werken zu feiern und zu würdigen. Zu finden sind die Gedichte unseres Klopstocks in den Sammlungen „Oden“, „Geistliche Lieder“, „Oden und Elegien“, „Vaterlandslied“ oder „Oden zur Französischen Revolution“. An Trauerspielen wartet er mit der Dreiheit „Hermanns Schlacht“, „Hermann und die Fürsten“ und „Hermanns Tod“ auf. Die denkerischen Schriften von unserem Klopstock tragen so bezeichnende Namen wie „Von der heiligen Poesie“, „Von der Nachahmung des griechischen Silbenmasses im Deutschen“, „Eine Betrachtung über Julian den Abtrünnigen“, „Von der besten Art über Gott zu denken“, „Gedanken über die Natur der Poesie“, „Von der Sprache der Poesie“, „Von der Bescheidenheit“, „Gespräch von der wahren Hoheit der Seele“, „Von dem Fehler andre nach sich zu beurteilen“, „Von dem Range der schönen Künste und der schönen Wissenschaften“, „Von dem Publico“, „Die deutsche Gelehrtenrepublik“, „Von der Freundschaft“ oder „Vom deutschen Hexameter“. Klopstocks Trauerspiel Hermannschlacht soll zu Ehren des Dichters vorgetragen werden und so geht es darin ein Stückchen weiter: http://www.zeno.org/Literatur/M/Klopstock,+Friedrich+Gottlieb/Dramen/Hermanns+Schlacht

HORST.

Siegmar, sie kommen! Eine Kohorte rückt kühn vor.

Wie geht’s uns?

DER HAUPTMANN.

Wie es kaum den Parthern gegangen ist!

SIEGMAR.

Jüngling, ja beim Quell! geh! Nun, so kommen sie denn endlich! – Kühn, sagtest du? Taumelt’s in ihren Seiten nicht?

HORST.

Ja, die Seiten schwanken, und der Helme sinken dort viele ins Blut; aber der Lebenden sein nach den Toten nicht hin.

SIEGMAR.

Bald sollen sie noch mehr vorwärts sehn! Die erflehte Stund‘ ist gekommen, Wodan. Jüngling, Jüngling, du sangst mir ein Walhallalied! Sie kommen! Gehab dich wohl, mein alter Freund.

BRENNO.

So muß ich denn den bitteren Abschied nehmen.

SIEGMAR.

Du scherzest, alter Mann. Abschied? ein Greis von einem Greise? Laß mir die Opferknaben… Kommen noch mehr Kohorten, Horst?

HORST.

Noch eine kömmt sehr blutig und sehr langsam.

SIEGMAR.

Brenno, laß mir die Opferknaben das Lanzenspiel tanzen! Ich muß es noch einmal sehn. Es könnte ja wohl sein, daß ich es nicht wieder säh‘.

DER ÄLTSTE OPFERKNABE.

Es ist Niemand hier, der die Lanzen werfen kann.

SIEGMAR.

Tanzt nur ohne Wurf.

EIN BARDE.

Blinkt, Lanzen, ihr schreckt sie nicht!

Die Väter lächeln sie an, und schneller tanzen sie durch!

So seht ihr, o Väter, sie einst

Im ernsteren Reihn der Schlacht!

SIEGMAR.

Es ist genug. Brenno, sag meinem Sohn’ Hermann, daß mich Wodan endlich auch der Schlacht gewürdigt hat!

BRENNO.

Ich soll es ihm sagen?

SIEGMAR.

Nun, vielleicht sage ich es ihm selbst. Kommen noch mehr Kohorten, Horst?

HORST.

Die beiden Kohorten halten und richten Manipeln gegen den Wald.

SIEGMAR.

Stehst du den Adler schon?

HORST.

Ich seh‘ ihn noch nicht.

SIEGMAR.

Brenno, du erlebst eine schöne Nacht!

BRENNO.

Erleb‘, erlebe sie auch, du Freund meiner Jugend und meines Alters! Ach, Siegmar, etwas Trübes, eine Ahnung schwebt vor mir. Mich dünkt, ich werde dich nicht wiedersehn.

SIEGMAR.

Und mich ahnet’s, daß du mich wiedersehn wirst.

BRENNO.

Wiedersehn denn, aber nicht lang! Wo willst du, daß ich dich begrabe?

SIEGMAR.

Drei Grabstätten wären.

BRENNO.

Warum siehst du deine Lanze mit diesem besondern Lächeln an?

SIEGMAR.

Weil sie blutig besser aussehn wird! und Das bald! und weil ich mehr an Varus Tod denke, als an meinen. – Drei Grabstätten wären mir lieb. – Ich kann jetzt darunter nicht wählen. Entweder hier bei Wodans Altar – oder da, wo ein Adler vor den Cheruskern sinken wird oder auf dem Felsen, wo mir Bercennis meinen Sohn Hermann geboren hat.

BRENNO.

Wo gebar sie dir den edeln Jüngling?

SIEGMAR.

Auf dem hohen Berge Cheruskas entspringt ein Bach. Der stürzt durch den Bergwald herunter. Der zweite Fels des Talwaldes, bei dem der Bach vorbeifließt, ist der Geburtsfels meines Sohns.

HORST.

Drei Kohorten rücken schneller vorwärts!

SIEGMAR.

Siehst du den Adler noch nicht?

HORST.

O Siegmar, Siegmar, eben seh‘ ich ihn!

SIEGMAR.

Nun gehab dich wohl, mein alter Freund! Der Adler schwebt!“